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Der Wochentipp Woche der Heilkunst Tipp Die StadtSpionin Wien  Foto: Evelyne Puchegger-Ebner

Woche der Heilkunst

Ethno-Medizin
Das Wiener Dokumentationszentrum für traditionelle und komplementäre Heilmethoden veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem Museum für Völkerkunde die „Woche der Heilkunst“. Vom 8.-12. August stehen jeweils ab 18.00 Uhr spannende Vorträge am Programm – bei freiem Eintritt.

Montag, 8. August 2011 18.00-20.00 Uhr
Vortrag
Was ist Heilung? Einführung in die Anthropologie der Heilung
Mag. Dr. Michaela Noseck-Licul
Den Auftakt zur “Woche der Heilkunst” macht ein Vortrag, der aktuelle gesundheitspolitische Fragen mit theoretischen Ansätzen aus der Kulturanthropologie (Medical Anthropology) am Beispiel der traditionellen und komplementären Heilmethoden in Österreich verbindet. Die vergleichende kulturanthropologische Perspektive erlaubt es, die vielschichtigen Aspekte von Heilung darzustellen und die verschiedenen Positionierungen von Akteuren/-innen zu berücksichtigen. Von Medizinanthropologen/-innen thematisierte kulturspezifische Bedeutungen von Symbolen und Handlungen sind essentieller Teil medizinischer Handlungen, ihre Bedeutung für die Wirksamkeit von Therapien wird erst in letzter Zeit erkannt.

Dienstag, 9. August 2011 18.00-20.00 Uhr
Informationsabend/Podiumsdiskussion
Das Materielle und das Immaterielle. Der traditionelle Arzneimittelschatz als immaterielles Kulturerbe.
Ende April 2011 ist die siebenjährige Übergangsfrist zur Umsetzung der EU-Richtlinie 2004/24 EG, welche die Registrierung traditioneller pflanzlicher Arzneimittel neu regelt, abgelaufen. Welche Konsequenzen diese Richtlinie für Konsumenten/-innen und Produzenten/-innen hat, ist jedoch vielerorts unklar. Im öffentlichen Diskurs werden Unsicherheiten und Ängste rund um einen möglichen Verlust traditionellen Heilwissens deutlich – so wurde zum Beispiel häufig die Befürchtung geäußert, sämtliche Kräuter und Heilpflanzen dürften nicht mehr in Umlauf gebracht werden. In einer Podiumsdiskussion widmen sich Experten/-innen aus Wissenschaft, Wirtschaft und den zuständigen Behörden den Fragen:
• Was bewirkt die EU-Richtlinie 2004/24 EG tatsächlich?
• Ist das traditionelle Heilwissen in Österreich und anderen EU-Ländern gefährdet?
• Wer ist von der Richtlinie betroffen und was hat sie bisher bewirkt?
• Wie kann konstruktiv damit umgegangen werden?

Mittwoch, 10. August 2011 18.00-19.00 Uhr
Vortrag
Heilung und Heil: An der Schnittstelle von Ritual, Medizin und Religion
Mag. Dr. Evelyne Puchegger-Ebner
In einer ganzheitlichen Auffassung vom Menschen, wie sie in vielen indigenen Gesellschaften gelebt wird, ist Heilung in einen transzendentalen Kontext eingebunden.
Dieser wiederum muss räumlich nicht von der Alltagswelt getrennt sein und äußert sich oft in Form von Heilritualen. D.h. an dieser Schnittstelle von Medizin, Religion und sozialer Realität 'vermitteln' die kurativen Zeremonien zwischen Weltbild und symbolischer Ordnung einer Kultur, welche sich normativ auf ihre Gesellschaft auswirkt und ihren Niederschlag in der sozialen Praxis findet. Im Vortrag wird daher nicht nur der Frage nachgegangen, ob und wie Heilung durch Spiritualität in westlichen und nichtwestlichen Kulturen gelebt und angewandt wird, sondern es soll auch mittels eines transkulturellen Medizinbegriffes ein anderer Zugang zu indigenen Heilmethoden erläutert werden. Mittels kultur- und sozialanthropologischer Theorien werden weiters die verschiedenen Felder weltbildlicher Konzeptionen und deren Interdependenz zur sozialen Praxis dargelegt und anhand von Fallbeispielen aus Mexiko und Kolumbien präsentiert.

Mittwoch, 10. August 2011 19.00-20.00 Uhr
Vortrag
Schamanismen, Geistheilung und Energiemedizin. Wissenstransfer und Aneignung von indigenen Konzepten
Mag. Franz Graf, Mag .Dr. Michaela Noseck-Licul
Die Auseinandersetzung mit traditionellen und komplementären Heilmethoden in den euroamerikanischen Konsumgesellschaften wirft Fragen zum Umgang mit dem Wissen der Anderen auf. Die Rezeption anderer Medizinen spannt einen breiten Bogen von Romantisierung auf der einen Seite bis hin zu schnöder Kommerzialisierung auf der anderen. Im Prozess der Erforschung von Neoschamanismen und verschiedenen spirituellen Heilmethoden wird der/die Forscher/-in allerdings auch mit der Rolle der eigenen Disziplin und eigenen Vorstellungen von Authentizität und Qualität konfrontiert, die den Blick auf die Motive der Akteure/-innen und deren Praxis verschleiert.
Der Vortrag ist der Darstellung des komplexen Feldes spiritueller Heilmethoden gewidmet, die gerne unter dem Begriff Schamanismus zusammengefasst werden. Die Bedeutung der Kultur- und Sozialanthropologie als maßgeblicher Faktor für die Verbreitung von Wissen über Schamanismen wird aufgezeigt und den Anforderungen an rezente kulturanthropologische Ansätze gegenübergestellt.

Donnerstag, 11. August 2011 18.00-20.00 Uhr
Vortrag
Bachblüten, Essenzen und "informiertes Wasser" - Zur magischen Aufladung des Objekts
Mag. Dr. Michaela Noseck-Licul
Das vielfältige Angebot an sogenannten „feinstofflichen Essenzen“ und Wässern, denen heilsame Wirkungen und spezielle Bedeutungen zugeschrieben werden, verlangt auf den ersten Blick nach Forschungsansätzen zu physikalischen und chemischen Wirkmechanismen. Nicht selten wird die Quantenphysik zur Erklärung herangezogen, allerdings bleiben naturwissenschaftliche Wirksamkeitsnachweise dieser Art bisher aus.
Der Vergleich mit der magischen Aufladung von Objekten im Allgemeinen und mit Weihwasser oder heiligen Quellen im Besonderen eröffnet alternative Interpretationsmöglichkeiten aus Sicht der Kulturanthropologie. Der Vortrag widmet sich dem spannenden Gebiet der Umsetzung von Bedeutungen in Materie – ein Aspekt der Medizin, der in der Arzneimittelforschung als Placeboeffekt bekannt ist und der sich mit Erkenntnissen aus der Medical Anthropology überschneidet.


Freitag, 12. August 2011 18.00-20.00
Vortrag
Die Suche nach Heilung – Migration und Gesundheit
Mag. Babara Kazianka
Durch die mit Globalisierung bezeichneten Austauschprozesse von Ideen, Konzepten, Technologien, Waren (z.B. Materia Medica) und nicht zuletzt Menschen hat sich unsere Wahrnehmung, unser Verständnis und unser Handlungsspielraum zu Phänomenen wie Krankheit, Gesundheit und Heilung wesentlich verändert. Diese Triade (Krankheit, Gesundheit und Heilung) bildet mit anderen Kernkonzepten wie Körper/Geist/Seele die Basis unseres Gesundheitssystems. Durch den Zustrom von MigrantInnen und die zunehmende kulturelle Diversität der ÖsterreicherInnen steht das Gesundheitssystem vor einer Reihe von Herausforderungen. Die Beziehungen von PatientIn und Gesundheitspersonal werden entscheidend von den oben genannten Kernkonzeptionen geprägt und bedingen die Bereitschaft (Compliance) miteinander Heilung zu suchen bzw. Gesundheit zu erhalten. Ein Schlüsselelement ist hierbei die Kommunikation.
An diesem Abend soll aufgezeigt werden, wie unterschiedliche Weltbilder den Verlauf der Heilungssuche beeinflussen; welche Rolle Kommunikation dabei zukommt, welche konkreten Schwierigkeiten sich in der medizinischen Praxis für beide Seiten (PatientIn- Gesundheitspersonal) ergeben und in weiterer Folge mögliche Entwicklungen/Lösungsansätze diskutiert werden.

Eine schöne Woche wünscht
Eure StadtSpionin

Woche der Heilkunst, Museum für Völkerkunde. Heldenplatz, 1010 Wien. 8.-12.8. Eintritt frei. [ Web ]

 






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