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Stadtgespräch

Die Kleinode von Zojas

Monika Buttinger im Interview

Monika Buttinger (37) verarbeitet für Ihr neues Modelabel Zojas alte, handgearbeitete Textilien mit modernen Stoffen und Schnitten zu spektakulären Einzelstücken. Ob Dirndlstoff aus dem Salzkammergut, Glasknöpfe aus der Toskana oder Spitzen aus Usbekistan – Zojas erweckt längst Vergessenes zu neuem Leben und erzählt Geschichten von uralter Handwerkskunst und modernem Chic.Die StadtSpionin sprach mit der Designerin, die gerne mehrere Berufe gleichzeitig hat.

Zojas
Kimono aus Blaudruckstoff von einem Salzkammergut-Dirndl mit Gürtel aus Siebenbürgen
StadtSpionin:
Sie haben vor kurzem Ihr Modelabel Zojas präsentiert. Aber eigentlich sind Sie doch eine der bekanntesten Kostümbildnerinnen des österreichischen Kinos, oder?

Monika Buttinger: Stimmt. Für mich ist es wichtig, immer unterschiedliche Dinge zu tun – die sich dann gegenseitig befruchten können. Kostümbildnerin war allerdings schon seit meiner Kindheit mein Wunschtraum, und da man das in Österreich nicht lernen kann, habe ich meine Ausbildung drumherum angelegt.
Sie wussten schon als Kind, was Sie werden wollen?
Ja, ich sah mit zehn Jahren Fellinis „Casanova“ und war völlig begeistert.
Ein äußerst kindgerechter Film!
(Lacht) Ja! Ich habe deutlich ältere Geschwister und habe damals viele Filme auf Video gesehen. Ich war total fasziniert von den Bildern in Casanova -  allein der Anfang mit der Nonne, total schräg ... Das hat mir voll getaugt.
Zojas
Trenchcoat aus Popelin, bestückt mit handgewebter Baumwolle aus Anatolien
Sie haben mehrere Filme mit Sabine Derflinger gemacht, mit Reinhard Schwabenitzky und waren zuletzt für das Kostümdesign von „Revanche“ von Götz Spielmann verantwortlich, der gerade für den Oscar nominiert wurde. Wie haben Sie denn Ihren Kindheitstraum in die Realität gebracht?
Ich habe zuerst in Linz, wo ich herkomme, die Kunstgewerbeschule besucht und dann in Hetzendorf Mode-Design studiert. Bei Zojas arbeite ich ganz viel mit alten, handwerklich kostbaren Stoffen, die geklöppelt oder gestickt sind. Und all diese Techniken habe ich eigentlich in Linz gelernt. Aber bei diesen Arbeiten, dem Goldsticken oder dem Perlensticken, habe ich überhaupt keine Geduld. Meine Werkstücke waren immer extrem „schiach“. Und darum hat das einen so großen Wert für mich und ich bewundere das so, dass jemand einen ganzen Winter lang sitzt, um akribisch genau ein einziges Stück zu schaffen.
Was den Film betrifft: Nach Hetzendorf habe ich zuerst als Kostümbildnerin bei Fernseh-x
Schwarzes Top mit besticktem Polsterüberzug aus dem Salzkammergut als Rückeneinsatz
Produktionen gearbeitet und bin dann im Jahr 2000 zum Film gekommen.
Wann entstand denn die Idee zu Zojas?
Die Idee hatte ich seit ein paar Jahren im Kopf, aber wirklich los gegangen ist es im Frühjahr 2008. Mir hat immer schon das Herz geblutet, wenn ich alte, ungewöhnliche, kostbare Stücke gesehen habe, die die Leute am Dachboden liegen haben. Und dort werden sie dann von den Motten gefressen. Ich mache, gemeinsam mit meinem Partner Stefan Danbauer, aus diesen Stücken komplett Neues. Zum Beispiel aus alten, handgewebten Handtüchern aus Ungarn, die ich blau eingefärbt habe, einen Kimono. Oder aus einem alten Kelchtuch der Kirche, das ich bei einer Flohmarkthändlerin in Traunkirchen gefunden habe, den oberen Teil eines Mantels.
Das heiß aber, es gibt bei Zojas keine regelmäßigen Kollektionen?
Richtig, wir haben keinen Kollektionsgedanken. Ausgangspunkt ist immer ein altes Stück, das mich inspiriert. Wenn man es ganz romantisch formuliert: Man kommuniziert mit dem Ding und fragt „Was bist denn du“? Und wenn man Glück hat, bekommt man eine Antwort (lacht).
Die Dinge geben viel vor. Das Kelchtuch hat sich hervorragend als Schulter-Passe geeignet und darum herum ist dann erst der Mantel entstanden.
Das ist aber mehr ein künstlerischer als ein modetechnischer Zugang.
Zojas
Jacquardmantel mit Schulterpasse aus einem alten Kelchtuch
Zojas heißt Schmuckstück auf rätoromanisch und so betrachte ich unsere Kleidungsstücke eigentlich. Man trägt sie nicht wie normale Mode, sondern als Schmuck, der die übrigen Sachen, die man trägt, aufwertet. Zojas ist keine Mode für den Alltag, auch nicht von der Preisklasse her.
Wie viele dieser Einzelstücke gibt es denn schon?
Rund 120, die kleinen Teile wie Krawatten oder Schlafmasken eingeschlossen. Es gibt Sachen für Damen und für Herren – von Hemden über Blazer bis zu Röcken.
Und wo finden Sie das Ausgangsmaterial, die wunderbaren Stoffe, die ja zum Teil über 100 Jahre alt sind?
Auf der ganzen Welt. Ein paar Sachen – zum Beispiel aus dem Salzkammergut oder der Türkei - hatte ich schon, weil ich ja durch das Filmen viel herumkomme. Und im Frühjahr 2008 bin ich nach Rumänien gereist, um gezielt nach Material zu suchen. Schwerpunktmäßig stammen die meisten der alten Stücke aus Rumänien und der Türkei, in Zukunft sollen noch viele Länder dazukommen.
Und wie entscheiden Sie, was Sie kaufen?
Die Dinge müssen mich begeistern, berühren oder faszinieren – dann kaufe ich sie. Und in der Produktion bin ich hemmungslos im Mischen. Ich verwende einen Tapisseriestoff aus Rumänien gemeinsam mit einem Dirndlstoff aus dem Salzkammergut und einer Borte aus Ungarn. Alle Teile werden unrestauriert verarbeitet. Natürlich reinigen und sichern wir sie, aber wir nehmen ihnen nicht ihre Geschichte. Zojas ist auch ein Beitrag Zojas
Monika Buttinger auf der Suche nach alten, handgemachten Stoffen in Rumänien
gegen das Vergessen werden.
Sie haben im Februar 2008 beschlossen, Zojas zu gründen und im November bereits präsentiert?
Ja, wir sind ins kalte Wasser gesprungen und haben es einfach probiert. Und wir haben in Wien begonnen, obwohl viele Leute uns gesagt haben, dass wir mit dieser Mode nach New York oder Paris müssen. Aber wir kommen aus Wien und wollten hier starten.
Stimmt es eigentlich, dass Sie als Mode-Designerin auch für andere Firmen arbeiten?
Ja, für die Firma Eisbär etwa. Die berühmte Mütze von Eisbär mit den Haaren oben habe ich entworfen. Von der wurden bis heute weltweit über 300.000 Stück verkauft.
Zwischen dieser Mütze und Zojas liegen ja Welten!
Ja, aber genau dieses Switchen zwischen den Jobs ist für mich ganz wichtig. Wenn ich von Filmprojekten zu Foto-Stylings und dann zum Designen wechsle, dann sind das immer andere Zugänge, andere Menschen und andere Einflüsse. Das hält mich frisch im Kopf!

Sabine Maier

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KONTAKT
Zojas Showroom
Elisabethstraße 15/8. 1010 Wien
www.zojas.net

Um Voranmeldung wird gebeten:
Monika Buttinger
0664/ 321 85 21
monika.buttinger@gmx.at

 

 

 

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