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Stadtleben

  Wien isst anders: Private Dinner

Ins Lokal kommen, Speisekarte studieren, bestellen, essen, zahlen. So läuft ein normaler Restaurantbesuch meist ab. Aber es geht auch anders! Innovative Kochkonzepte werden in Wien immer beliebter. Da wird in Privathäusern fein gespeist, an geheimen Orten Kuchen verkauft oder gleich gemeinsam mit Fremden gekocht. Die StadtSpionin hat die kreativsten Locations zum Essen besucht.


Hofzeile 27Beim ersten Mal zögert jeder. Das Haus im 19. Bezirk ist ein schönes Mehrparteienhaus,  aber ein Restaurant? Auf dem eleganten Klingelschild steht schlicht „Private Dinner“. Was passiert, wenn man hier wildfremde Menschen stört? Nix passiert, denn nach dem Klingeln öffnet der Herr des Hauses, streckt einem enthusiastisch die Hand entgegen und erklärt mit breitem Lächeln „Schön, dass Sie da sind! Kommen Sie doch herein“. So wird man selten in einem Restaurant empfangen, aber das hier ist ja auch kein normales. Dies ist die Privatwohnung der Familie Fellner, die Teile ihres Domizils als professionellen Betrieb adaptiert hat. Ein unglaublich chic eingerichtetes Speisezimmer, eine hochmoderne Küche, die bei der StadtSpionin heftige Neidgefühle verursachte und eine romantische Terasse: für gerade mal ein gutes Dutzend Gäste kocht Sibylle Fellner-Kisler, dass einem das Herz aufgeht. Zum Sonntags-Brunch wird Leckeres von Roastbeef bis zum warmen Marmortörtchen serviert, ansonsten wird nur Abends gekocht. Täglich wird genau ein vorgegebenes Menü angeboten – immer raffinierte Küche mit einem starken österreichischen Einschlag. Und trotz des eleganten Ambientes herrscht hier eine wunderbar unkomplizierte Atmosphäre. Die Kinder laufen durch die Küche, die in Kärnten geborene Chefin plauscht neben dem Kochen mit den Gästen und der Ehegatte, im Hauptberuf Manager, hilft mit, „wann immer er gebraucht wird“.  „Hofzeile 27“ nennt sich das ungewöhnliche Projekt, das seit Dezember immer mehr Menschen begeistert.

The Dining RoomSecret Dining, Private Dinner, Guerilla Cooking - der Trend stammt aus den USA. In New York entstanden 2004 die ersten Secret Dining Rooms, der Trend wurde in London aufgegriffen und landete immerhin schon 2007 auch in Wien – im 13. Bezirk. Angelika Apfelthaler eröffnete den ersten „Dining Room“, der mit einem normalen Restaurantbetrieb nur wenig zu tun hat. Private Dinner heißt immer: Essen in den eigenen vier Wänden. Gekocht wird in der privaten Küche, das Wohnzimmer verwandelt sich in einen Speisesaal. Serviert werden Menüs, à la carte Bestellungen gibt es nicht. Die Gäste schätzen vor allem die persönliche Atmosphäre solcher Dinner Veranstaltungen. Man kann der Köchin über die Schulter schauen, sich verwöhnen lassen und über Rezepte plauschen. Auch wenn man weiterhin zahlender Gast ist, fühlt man sich schnell wie bei einem Essen unter Freunden.

Angelika Apfelthaler, die eigentlich aus der Filmbranche stammt,  bekocht in ihrem Privathaus im 13. Bezirk (ganz legal) an drei Abenden die Woche ein gutes Dutzend Menschen – mit einem 6-gängigen Menü, das sie jede zweite Woche neu komponiert. Bis zu den Nudeln und Brot wird alles selbst gemacht, oft mit italienischem Einschlag. Gespeist wird bei ihrem Private Dinner in herzlich-zwangloser Atmosphäre, man sitzt in einem mediterran eingerichteten Raum und sommers auch im Garten. Das amerikanische Reisemagazin Travel + Leisure wählte den Dining Room unter die 10 besten Secret Dining Clubs der Welt. Kein Wunder, für die Schoko- Wolkentorte würde die StadtSpionin auch zu Fuß nach Hietzing pilgern!

Elisabeth Schöninger Noch intimer geht es bei Elisabeth Schöninger zu, die in Wiener Neustadt regelmäßig Gäste in ihrem Privathaus empfängt. Pro Termin ist nur Platz für 6 Personen, doch genau diese kleine Runde macht den Charme aus. Alle sitzen gemeinsam am Esstisch. Serviert wird ein 5-gängiges Menü, bei dem die gelernte Köchin vor allem auf saisonale Produkte achtet. Vieles kommt dabei vom elterlichen Biobauernhof in der Steiermark. Fixpreis gibt es keinen, jeder spendet den Betrag den er für angemessen hält. Bei den Getränken ist das australische Prinzip „BYO- Bring your own“ willkommen.

Secret Dinner: Dem Koch über die Schulter schauen

Ein exklusiChef's Tableves Slow-Food Dinner wird im „Chef’s Table“ serviert. Man sitzt in einer hochmodernen Küche und kann dem „jungen Wilden“ Oliver Scheiblauer beim Zubereiten der Speisen über die Schulter schauen. Nur 36 Menschen haben einmal im Monat an drei aufeinanderfolgenden Tagen die Chance, die Gerichte zu genießen. Der exklusive Spaß hat seinen Preis, ab 98 Euro ist man dabei. Dafür kann man sich Tricks vom Küchenchef abschauen, der bereits bei der Oscarverleihung gekocht hat. Kreiert werden die achtgängigen Menüs gemeinsam mit Wiens Slowfood-Spezialistin Barbara van Melle.

DrahtwarenhandlungKochen ist für viele Menschen Entspannung und Ausgleich zum Berufsleben. Das gilt auch für die drei Gründer der „Drahtwarenhandlung“. Die Drahtwarenhandlung verbindet Büro und Restaurant. Wo am Tag Fernsehbeiträge produziert werden, wird am Abend gefüllte Hühnerbrust auf Spargelrisotto serviert. Jeden Freitag und Samstag Abend verwandelt sich das Multimediabüro in ein Restaurant. Aus den drei Technikern werden passionierte Köche und statt Businesskunden betreten Gäste die Drahtwarenhandlung. Jede Woche gibt es ein neues Menü, mit jeweils einer Hauptspeise für Fleischtiger und einer für Vegetarier. An der selbstgebauten Bar können Cocktails genossen werden. Die Gäste der Drahtwarenhandlung schätzen die persönliche Atmosphäre und wer lieb fragt, darf auch einen Blick in die Küche werfen.

M77 Wer nicht nur die Köche, sondern auch die Mit-Esser näher kennen lernen will, ist im M77 gut aufgehoben. Hier sitzen alle Gäste an einem großen Tisch. Gegründet wurde das M77 von Margot Glaszer-Seitschek. Die studierte Medizinerin hat ihre Praxis geschlossen, um sich ganz dem Kochen und der Kunst zu widmen. Nun kann man sich einmal im Monat von ihrem Talent überzeugen. Ihre Menüs stehen oft unter einem bestimmten Motto wie das Abendessen „Schluss mit Wurzeln“ oder aber „Wald, Wiese & Olivenöl“. Gleichzeitig ist das M77 auch Galerie und Werkstatt.

Wiens erste Guerilla Bakery

„Guerilla“ steht ursprünglich für Kleinkrieg. Heutzutage werden damit auch ungewöhnliche Aktionen im städtischen Raum bezeichnet. Von Guerilla Gardening (wir pflanzen Tomaten im Park) zu Guerilla Knitting (wir bestricken die Salztorbrücke) bis zu Guerilla Cooking (wir kochen wo wir wollen), sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Die urbanen Bewegungen leben von Mundpropaganda, Flashmobs und Verbreitung über Social-Media Plattformen.

Im Frühling hGuerilla Bakery at Wien seine erste Guerilla Bakery bekommen. Drei Vorarlberger Schwestern verwöhnen die Großstädter mit Delikatessen. Die Bäckerei ist streng geheim: Sie wandert von Standort zu Standort und für nur zwei Stunden werden die hausgemachten Köstlichkeiten verkauft - von Himbeer-Schoko-Muffins zu Tarte au Chocolat. Verbreitet werden die Termine ausschließlich über Facebook. Einzige Bedingung: Der Umwelt zuliebe muss jeder Kunde seine eigene Tupperware mitbringen.

Gemeinsam grenzenlos kochen

OpenktichenWer nicht länger anderen beim Kochen zuschauen will, sondern selbst Hand anlegen möchte, der sollte die Veranstaltungen der Openkitchen besuchen. Die öffentlichen Events finden in unterschiedlichsten Locations statt - zuletzt in der Bar Wien, aber auch Privatwohnungen sind Treffpunkt der Openktichen-Events. Bei den Kochtreffs darf jeder den Kochlöffel schwingen und alle können kosten. Dabeisein ist kostenlos, nur die Getränke sind in den Lokalen zu zahlen. Jeder nimmt Rohzutaten mit und beginnt nach Belieben zu kochen. Alles ganz formlos, die Küche ist Treffpunkt für alt und jung, man lernt viele neue Menschen kennen und hat Spaß. Auch wer nicht kochen kann, ist willkommen, man kann auch nur zum Essen vorbeischauen und dafür beim Abwasch helfen.
In Zukunft soll die Idee Openktichen auch von anderen Leuten weitergetragen werden. Die neue Homepage wird zur Plattform für Kochfreunde. Ähnlich dem Couch-Surfing Prinzip kann jeder Kochevents bei sich zu Hause veranstalten und die User können sich für die noch freien Plätze am Esstisch anmelden.


Grenzenlos KochenMenschen zusammenzubringen, das war auch die Kernidee des Projekts „Grenzenlos Kochen“ aus St. Andrä-Wördern. In der niederösterreichischen Gemeinde leben Menschen aus über 70 verschiedenen Nationen. Man beschloss, Kochabende zu organisieren, um die Alteingesessenen und die Zuwanderer zusammen zu bringen. Die Teilnahme, das Essen und die alkoholfreien Getränke sind gratis - jeder bringt seine Zutaten mit und kocht ein Rezept aus der Heimat. Das gemeinsame Kochen schweißt zusammen, denn in der Küche muss man reden, allein schon weil der Platz so knapp ist. Und so köchelt eine Grießnockerlsuppe neben einem kenianischen Eintopf, während im Ofen kanadische Muffins gebacken werden. Seit nunmehr sieben Jahren wird in St. Andrä-Wördern alle zwei Monate gekocht. Die Stimmung ist ausgelassen, oft werden Musikinstrumente mitgebracht und „Neulinge“ werden sofort liebevoll aufgenommen.
Wer hat da noch Lust auf ein normales Restaurant?

Von Nadja Buchmüller und Sabine Maier
Mai 2011

KONTAKT

Hofzeile 27, Hofzeile 27, 1190 Wien. Private Dinner täglich, Private Brunch So 10:30 bis 14:30 Uhr Web
The Dining Room, Maygasse 31, 1130 Wien. Mi, Fr, Sa ab 19:00 Uhr. Web
Elisabeth Schöninger, Schneeberggasse 3, 2700 Wiener Neustadt. Einmal im Monat. Web
Chef’s Table
, Einzingergasse 4, 1210 Wien. Einmal im Monat an drei aufeinanderfolgenden Tagen ab 19:00 Uhr. Web
Drahtwarenhandlung, Neustiftgasse 57 -59, 1070 Wien. Fr, Sa 18:00 bis 2:00 Uhr. . Web
M77, Märzstraße 77, 1150 Wien. Einmal im Monat. Web
Guerilla Bakery. Web
Openkitchen. Web
Grenzenlos Kochen, Alte Schule Greifenstein, Hadersfelderstraße 2, 3422 Greifenstein. Alle 2 Monate ab 17:30 Uhr. Web

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